Kunsthalle Darmstadt

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Die Kunsthalle Darmstadt ist Parcourspartner der B3 Biennale des bewegten Bildes 2019. Anlässlich des Jubiläumsprogramms „100 jahre bauhaus“ untersucht die international besetzte Gruppenausstellung „Bauhaus und die Fotografie. Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst“ (29.09.19 - 05.01.20), wie die experimentelle Bildsprache der Bauhauskünstler_innen bis heute die Weiterentwicklung künstlerischer, insbesondere fotografischer Strategien beeinflusst. Gezeigt werden Werke von dreizehn etablierten Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart sowie von Studierenden der Hochschule Darmstadt und der Technischen Hochschule Nürnberg, welche formal wie inhaltlich an die Arbeiten des Neuen Sehens anknüpfen. Im Kontext der B3 zeigt die Filmemacherin Nico Weber am 17. Oktober Ausschnitte ihrer für den Grimme-Preis nominierten Filmreihe Bauhausfrauen. Im Anschluss an die Vorführung trifft sie im Gespräch auf Professorin Anja Baumhoff, die als Vorreiterin der Gender-Forschung die Rollenverteilung am Bauhaus untersucht.


Bauhausfrauen – Filmvorführung und Gesprächsabend mit Filmemacherin Nico Weber und der Historikerin Anja Baumhoff am 17.10., 19.30 Uhr

Die Ausstellung Bauhaus und die Fotografie. Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst nimmt anlässlich des Jubiläumsjahres 100 jahre bauhaus Einflüsse der Bauhauskunst auf die Fotografie der Gegenwart in den Blick. Im Programm der Ausstellung sowie der B3 Biennale des bewegten Bildes 2019 zeigt die Kunsthalle Darmstadt am 17.10. um 19.30 Uhr den Filmessay Bauhausfrauen. Die vergessenen Pionierinnen einer Kunstbewegung (2019, 37 Min.). Im Anschluss befassen sich die Filmemacherin Nico Weber und Dr. Anja Baumhoff, Professorin für Kunst- und Designgeschichte an der Hochschule Hannover, in einem Gespräch vertiefend mit der Frage nach dem Geschlechterverhältnis am Bauhaus.

Mit ihrem Film über die weitgehend unbekannten Bauhausfrauen würdigt Nico Weber deren Schaffen am Staatlichen Bauhaus, das von 1919 bis 1933 bestand und wesentlich vom Wirken weiblicher Studierender wie auch der Ehefrauen der Bauhausmeister – allen voran Ise Gropius und Lucia Moholy – profitierte. Beflügelt von den Erfolgen im Kampf um Gleichberechti­gung, insbesondere der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr der Bauhausgründung, begannen überraschend viele Frauen ein Studium an der neuen Hochschule in Weimar. Aber auch am sonst progressiven Bauhaus sollte sich das Frauenbild des 19. Jahrhunderts fortsetzen. Künstlerin­nen wie Anni Albers und Alma Siedhoff-Buscher standen trotz ihrer herausragenden Entwürfe nur in der zweiten Reihe und nur wenige Frauen, als erste von ihnen 1925 Gunta Stölzl, schafften als Leiterinnen der Textilwerkstatt den Sprung in den Männerbund des Meisterrates. Nico Webers Film über die Bauhausfrauen zeigt die Entwicklung von der euphorischen Vision, modernen Lebensraum auch als Frau mitgestalten zu dürfen, bis hin zu der ernüchternden Erkenntnis, trotz aller Bemühungen weitgehend auf typisch „weibliche“ Bereiche wie die Webereiklasse beschränkt zu sein.

Nach der Vorführung trifft Filmemacherin Nico Weber im Gespräch auf Dr. Anja Baumhoff, die auch im Film zu Wort kommt. Anja Baumhoff studierte in Freiburg und Oxford und promovierte im Fach Sozialgeschichte an der Johns Hopkins University in Baltimore, USA. Seit 2014 hat sie die Professur für Kunst- und Designgeschichte an der Hochschule Hannover inne. Ihre 2001 in New York veröffentlichte grundlegende Forschungs­arbeit The Gendered World of the Bauhaus. The Politics of Power at the Weimar Republic’s Premier Art Institute, 1919-1932 untersuchte erstmals systematisch die Rolle von Mann und Frau sowie Geschlechtsstereotype am Staatlichen Bauhaus. Demnächst erscheint ihr Buch Der Neue Mann und das Bauhaus, welches die Männlichkeitskonzepte in der klassischen Moderne am Beispiel des Bauhauses untersucht.

Nico Weber studierte Philosophie, Politikwissenschaft und Literatur. Seit über 20 Jahren sind ihre Filme für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF, arte, 3sat, ORF und SRF regelmäßig Grenzüberschrei-tungen, thematisch, dramaturgisch und visuell. Jetzt bewegt sie sich an der Schnittstelle zwischen Film und Bildender Kunst und arbeitet mit ihrer Firma NOW COLLECTIVE mit Künstlerinnen und Künstlern ihres Fachs in Kamera und Schnitt bei Drehreisen in ganz Europa, Asien und den USA. Ihr Dokumentarfilm Bauhausfrauen ist die Langfassung der gleichnamigen 3sat-Kulturzeit-Magazinreihe, die im November 2018 erstausgestrahlt wurde und für den Grimme-Preis 2019 nominiert wurde.

Über die Ausstellung

Bauhaus und die Fotografie. Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst ist vom 29. September 2019 bis 5. Januar 2020 in der Kunsthalle Darmstadt zu sehen. Gezeigt werden Werke von dreizehn etablierten Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart, welche formal wie inhaltlich an die Arbeiten des Neuen Sehens anknüpfen. Historischer Bezugspunkt der von Kai-Uwe Hemken (Kunsthochschule Kassel), Christoph Schaden (Technische Hochschule Nürnberg GSO) und Kris Scholz (Hochschule Darmstadt) entwickelten Ausstellung ist die legendäre Werkbundschau Film und Foto (FiFo), die 1929 unter anderem in Stuttgart, Berlin und Zürich für Aufsehen sorgte. Der Bauhausmeister László Moholy-Nagy kuratierte damals jeweils einen Raum zur Geschichte und zur Zukunft der Foto­grafie, deren Konzept und Erscheinungsbild jedoch nur in Fragmenten dokumentiert sind. In der Kunsthalle Darmstadt werden Teile von Moholy-Nagys Ausstellung als materielle und virtuelle Rekonstruktion erfahr­bar. Zusammen mit den ausgestellten fotografischen Arbeiten von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern ermöglichen die Rekon­struktionen einen Dialog zwischen dem historischen Ereignis und der Gegenwart.

Das Ausstellungsprojekt wird im Fonds Bauhaus heute der Kulturstiftung des Bundes sowie durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Hochschule Darmstadt gefördert. Die Veranstaltung Bauhausfrauen mit Nico Weber und Anja Baumhoff ist darüber hinaus Teil des Programms der B3 Biennale des bewegten Bildes 2019, die auch eine Filminstallation von Nico Weber präsentiert.

Kunsthalle Darmstadt

Steubenplatz 1, 64293 Darmstadt

www.kunsthalle-darmstadt.de

info@kunsthalle-darmstadt.de, Tel. +49(0)6151-891184

Eintritt: 5 €, 3 € ermäßigt


Freitag, 24. Januar 2020

Die Puppe mit Live-Musik von Uwe Oberg und Silvia Sauer

19:30 Die Puppe mit Live-Musik von Uwe Oberg und Silvia Sauer Murnau-Filmtheater in Wiesbaden