BEN – Die Preise der B3

Im Rahmen der B3 präsentieren Persönlichkeiten aus den Bewegtbildbereichen Kunst, Film, TV, Games sowie Virtual & Augmented Reality (VR / AR) ihre neuesten Arbeiten. Die Besten werden von der B3 mit einem B3 BEN 2017 ausgezeichnet.

Die B3 Biennale des bewegten Bildes zeichnet etablierte Künstler und junge Talente mit dem international beachteten BEN Award aus. Ins Rennen um Haupt- und Nachwuchspreise gehen Werke von Künstlern der B3 Biennale, die sich besonders innovativ mit neuen Erzähltechniken auseinandersetzen. Eine international besetzte Jury kürt die besten Beiträge. Den Preis entworfen hat der südafrikanische Künstler Trevor Gould.

Nach Laurie Anderson (2013) und Brian Eno (2015) erhält in diesem Jahr der litauisch-amerikanische Film- pionier Jonas Mekas (geb. 1922) den Ehrenpreis der B3 Biennale des bewegten Bildes für sein Lebenswerk. Die B3 würdigt damit seinen bahnbrechenden Einfluss auf die Entwicklung des unabhängigen amerikanischen Films.

Ein weiterer B3 Ehrenpreis für das Lebenswerk geht an die deutsche Kunstsammlerin und Mäzenin Ingvild Goetz. Die B3 ehrt damit das jahrzehntelange, leiden- schaftliche Engagement von Ingvild Goetz für Gegen- warts- und Videokunst und für die Unterstützung junger Künstler_innen.

Medienkunst ist meine große Leidenschaft. Seit Anfang der 1990er Jahre sammele ich Filme, Videos und Videoinstallationen von bildenden Künstlern. Durch die Verbindung von Sound und bewegtem Bild berühren sie mich viel stärker als andere künstlerische Medien.

Ich habe schon relativ früh angefangen Medienkunst zu sammeln, weil ich immer an den Kunstwerken der jeweils jungen Generation besonders interessiert bin. Es ist eine Möglichkeit den jungen Menschen nahe zu sein, zu erkunden mit welchen Themen sie sich beschäftigen und ihren Blick auf unsere Welt zu verfolgen. Und Videokunst ist das Medium einer jungen Generation.

Die erste Arbeit, die ich in diesem Bereich erwor- ben habe, war ein unlimitiertes 1-Kanal-Video von Cheryl Donegan. Viel mehr faszinierten mich jedoch Videoinstallationen und große Mehrkanalprojektionen. So kamen kurze Zeit darauf Werke von Linda Post, Rosemarie Trockel, Mona Hatoum und Tony Oursler in die Sammlung. In fast 25 Jah- ren ist die Medienkunstsammlung auf mehr als 500 Werke angewachsen. Highlights aus meiner Sammlung sind der 5-teilige Cremaster-Zyklus von Matthew Barney, Mehrkanal- projektionen von Isaac Julien, Doug Aitken und Julian Rosefeldt, große Videoinstallationen von Mike Kelley, Hans Op de Beeck und Janet Cardiff / George Bures Miller, sowie Diainstallationen von Yayoi Kusama, Giovanni Anselmo, Peter Fischli & David Weiss und vieles mehr.

Um den ständig wachsenden Bestand an Medien- kunst adäquat zeigen zu können, habe ich mein Museum 2001 um einen Vorführraum für Videos und Filme erweitert. 2004 ließ ich die ehemaligen unterirdischen Lagerräume zu einem eigenen Ausstellungsbereich für Medienkunst umbauen und mit moderner Vorführtechnik ausstatten. Mit dem Ausbau des Base 103 hat sich die Ausstellungs- fläche in unserem Museum nahezu verdoppelt.

Medienkunst aus der Sammlung Goetz war auch in zahlreichen Kooperationsausstellungen zu sehen, wie zum Bespiel in den großen Überblicksausstellungen fast forward 1 + 2 im ZKM Museum für Neue Kunst Karlsruhe 2003 und 2010, oder in der Ausstellung Schichtwechsel im Nordstern Videokunstzentrum Gelsenkirchen 2012. Seit 2011 sind auch Videos und Filme aus der Sammlung Goetz in kuratierten Ausstellungen in den ehemaligen Luftschutzkellern des Hauses der Kunst, die eigens für diese Kooperation dafür hergerichtet wurden.

2013 entschied ich mich mein Museum und einen großen Teil der Videokunstsammlung dem Freistaat Bayern zu schenken, da dieser Bereich in den öffentlichen Sammlungen bisher unterrepräsentiert war. Darüber hinaus engagiere ich mich für das Festival Kino der Kunst in München, das in diesem Jahr unter der Beteiligung von vielen Museen, Institutionen und Galerien schon zum dritten Mal stattfand.

Ich freue mich sehr, dass mich die B3 Biennale mit dem BEN für mein Engagement im Bereich Medienkunst ehren möchte. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, dass sich Künstler, Experten, Nachwuchstalente und Institutionen im Bereich Medienkunst vernetzen, um sich über technologische, ästhetische und wissenschaftliche Entwicklungen auszutauschen. Die B3 Biennale bietet dafür in Frankfurt eine gute Plattform. Gern trage ich mit einem kuratierten Filmprogramm aus meiner Samm- lung zu der Ausstellung bei und wünsche der B3 Biennale weiterhin viel Erfolg.

Ingvild Goetz


Jonas Mekas (geb. 1922, Semeniškiai, Litauen) wurde „aus Versehen mit voller Absicht“ zum Propheten, zum Champion einer Sprache, die nicht seine eigene war, und schließlich zum Visionär.

Auf dem Land aufgewachsen, hatte er schon mit 14 Jahren Gedichte veröffentlicht. Während des Zweiten Weltkriegs wurden er und sein Bruder, auf dem Weg zum Studium in Wien, in ein Zwangsarbeitslager bei Hamburg verschleppt. Acht Monate später konnten sie fliehen.

Nach dem Krieg schlugen sich die Brüder in ver- schiedenen Flüchtlingslagern durch. Trotz der widrigen Umstände begeisterten sie sich für Film und studierten Literaturwissenschaft in Mainz. 1949 emigrierten sie nach New York.

Kaum vier Wochen in Brooklyn, besorgte sich Jonas eine 16mm-Bolex-Kamera und fing an, seine Umgebung zu filmen. Immer wahrte er die Balance zwischen der Perspektive des superlässigen Insiders und des völligen Außenseiters. Der Rest ist Geschichte:

In den 1950ern tauchte Mekas in die experimentelle Film- und Kunstszene ein und zeigte seine poetischen, persönlichen „Dokumentarfilme“ in Avantgarde-Kinos. Er schrieb Kritiken, Prosa und Lyrik für Zeitschriften und war Kolumnist der „The Village Voice“. Seine gesammelten kritischen Schriften, das „Movie Journal 1959–1971“, offenbaren sein visionäres Verständnis der Leistungen von Filmemachern wie Kurosawa, Godard, Renoir und Welles. Ebenso wichtig war seine Berichterstattung über stark ex- perimentelle Arbeiten.

Er plädierte für ein Kino ohne Konventionen und setzte sich leidenschaftlich für alternative Filmkultur ein. In einem Porträt des New Yorker Magazine von 2016 zitierte Richard Brody ihn mit einem richtungsweisenden Satz von damals: „Irgendwo haben wir den Bezug zu unserer eigenen Realität verloren, und das Kameraauge wird uns hel- fen, den Kontakt wieder herzustellen.“

Mekas führte die Kamera für Andy Warhols berüchtigten Film „Empire“ und lehrte die Pop-Art-Ikone den Reiz des Filmemachens „ohne jede Regel“. Er war Mitbegründer der bahnbrechenden „Film-Makers’ Cooperative“ und der „Film-Makers’ Cinematheque“, einem Forum für Experimentalfilm. Noch vor der Eröffnung wurde Mekas zweimal verhaftet: einmal hatte er „Flaming Creatures“ von Jack Smith gezeigt, ein andermal den verbotenen Film von Jean Genet, „Un Chant d’Armour“.

Während die Kunstszene in Downtown New York in den 1960ern schier explodierte, überführte Mekas die Cinematheque in die Anthology Film Archives, die erste Adresse für Experimentalfilme und die weltgrößte Sammlung von Avantgarde-Filmkunst. Derzeit widmet er sich der Erweiterung der Sammlung um eine Forschungsbibliothek.

2007 wurde das Jonas Mekas Visual Arts Center in Vilnius eingeweiht. Sein Kernbestand umfasst Werke des Künstlers sowie Arbeiten und Material seines Freundes George Maciunus von der Künstlervereinigung FLUXUS.

Mekas’ Arbeiten zeichnen sich besonders durch seine intime Kamera aus, die dem Publikum das Gefühl vermittelt, direkt am Geschehen teilzuhaben, und durch seine poetischen Begleitkommentare. Sein bekanntestes Epos „Notes on a Journey to Lithuania“ (1972) ist ein Meisterwerk in Spielfilmlänge, weltweit ausgestrahlt, auf Festivals und in Museen gezeigt und an Filmhochschulen unterrichtet. Es gehört zur Sammlung der bedeutendsten Filme der US-Library of Congress.

1991 schrieb Mekas „I had nowhere to go“. Die Autobiographie wurde aktuell neu aufgelegt und diente als Quelle für den gleichnamigen Experimentalfilm, realisiert mit Hilfe des Künstlers Douglas Gordon.

B3 verneigt sich vor der Lebensleistung von Jonas Mekas, der die Welt der Experimentalfilmkunst so lebhaft und dynamisch gestaltet hat, dass sie heute bereits legendär ist. Als Pionier für das Genre des Tagebuch- und Essayfilms ist er von großem Einfluss und eine einzigartige Inspiration. Jonas Mekas ist ein Juwel für die internationale Filmkunst und ein Pate des Avantgardefilms.



2015 erhielt der britische Musiker und Multimediakünstler Brian Eno den B3 Ehrenpreis BEN für sein Lebenswerk.

Die BEN Hauptpreise 2015 in der Kategorie „Expanded Senses“:

  • Yves Netzhammer (CH) „Die Gegenwart sucht ihren Mund in der Spiegelung der Suppe“, 2014
  • Federico Solmi (I) „Chinese Democracy Trilogy“, 2012/2013
  • John Gerrard (IRL) „Exercise” , 2014

BEN Nachwuchspreis 2015:

2013 erhielt Laurie Anderson den B3 Ehrenpreis BEN für ihr Lebenswerk.

Die BEN Hauptpreise 2013:

  • Linear: Richard Mosse »The Enclave«, 2013
  • Nonlinear: Candice Breitz »Treatment«, 2013
  • Transmedial: The Riahi Brothers »Everyday rebellion«, 2013

BEN Nachwuchspreise 2013:

  • Linear: Laura Labs / Max Kerkoff »Volksbühne« Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Konrad Wolf, Potsdam-Babelsberg
  • Nonlinear: Philipp Bergmann/Matthias Schönijahn »Breaking News« Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Transmedial: Nikolas Schmid-Pfähler/Carolin Liebl »Vincent&Emily« HfG Offenbach